Strubbergs Leben

Der "hessische Karl May"

Fredéric Armand Strubberg (1806-1889) war hessischer Abenteurer und Schriftsteller. Unter seinem zweiten Vornamen "Armand" veröffentlichte er in Amerika spielende Abenteuerromane und Jugenderzählungen. Er war ein wichtiger Vertreter des deutschsprachigen ethnographischen Gesellschaftsromans.

Strubberg wurde 1806 als Sohn eines Tabakfabrikanten in Kassel geboren, genoss eine großbürgerliche Erziehung (unter anderem lernte er Reiten, Fechten und Schießen) und trat im Alter von sechzehn Jahren in ein Bremer Handelshaus ein. Dort verliebte er sich 1826 in die Kaufmannstochter Antoinette Sattler. Angeblich, um sich der Strafverfolgung wegen eines Duells mit einem Nebenbuhler zu entziehen, kam er 1826 erstmals in die Vereinigten Staaten.

Dies war der Beginn eines Auswandererlebens, in dessen Verlauf der findige und wendungsreiche Hesse ein Abenteurerdasein führte, das ihm Stoff für zwanzig Romane lieferte. 1841 als Vertreter europäischer Tabakfirmen nach Nordamerika zurückgekehrt, soll sich das Bremer Duell in der mondänen New Yorker Society wiederholt haben - mit dem fatalen Unterschied, dass Strubberg diesmal besser zielte und seinen Duellgegner erschoss. Auf der Flucht vor den Behörden verbrachte er die folgenden vierzehn Jahre als Landarzt im Indianergrenzland von Texas, wurde als "Dr. Schubbert" Kolonialdirektor der neugegründeten Siedlung Friedrichsburg und schließlich Plantagenbesitzer in Arkansas.

Bei der Jagd von einem giftigen Insekt ins Auge gestochen, führte ihn der drohende Verlust seiner Sehkraft 1854 zurück nach Deutschland, u.a. nach Hannover, Marburg und Bad Lagensalza. 1860 lies er sich in Kassel nieder. 1866 heiratete er seine Jugendliebe Antoinette Sattler, nicht wissend, dass diese den größten Teil ihres Lebens in einer Heilanstalt verbracht hatte. Antoinette verfiel schon kurz nach der Hochzeit erneut in geistige Umnachtung und starb schon bald darauf.

1858 erschienen seine Amerikanischen Jagd- und Reiseabenteurer. Der kommerzielle Erfolg dieses Buches und seines im gleichen Jahr erschienenen ersten Romans Bis in die Wildniß veranlassten ihn, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen und nicht in die Staaten zurückzukehren. In den folgenden zwei Jahrzehnten verfasste er in kurzen Abständen weitere Romane, Reiseberichte und Jugenderzählungen.

Sein letzter Roman Vornehm und Bürgerlich, mit dem er, als sein Stern beim Publikum zu sinken begann, dem Abenteuergenre halbherzig den Rücken kehrte und sich erfolglos als Verfasser von Gesellschaftsromanen versuchte, erschien 1878. Danach auch als Dramatiker kaum beachtet, ließ er sich 1885 resigniert im südhessischen Gelnhausen nieder, wo er 1889 starb.

"Dandy, Lebemann und Frauenheld, Frontierman und passionierter Jäger, Arzt, Kolonialdirektor, Sklavenhalter und im Alter noch "PR-Manager" und "Spin Doctor" für einen hessischen Adeligen - kaum eine andere Vita eines Romanciers des 19. Jahrhunderts ist so farbig und ereignisreich und gleichzeitig so wenig erforscht wie die des Fredéric Armand Strubberg." (Ulf Debelius, Herausgeber der Werke Armands)

Im Marburger Tectum Verlag erscheint erstmals eine vollständige und wissenschaftlich bearbeitete Edition seiner Werke.

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